Rennbericht

Ausländertag beim zehnten Brugger Abendrennen: Gäste holten gleich drei von vier Siegen

Zum Ausländertag wurde das Brugger Abendrennen dieser Woche. Gleich drei der vier Prüfungen wurden von ausländischen Fahrern gewonnen. Während die Erfolge beim Nachwuchs durch süddeutsche Fahrer nicht unerwartet kamen, war der Sieg im Hauptrennen durch den Dänen Mads Bugge Andersen eine Überraschung.

Der 34jährige Kopenhagener, der den Radsport seit 15 Jahren ausübt, ist in seiner Heimat ein guter Bahnfahrer. „Auch Kriterien fahre ich gerne. Deshalb fühlte ich mich auf dem Rundkurs von Brugg auch wohl“ freute sich Andersen nach seinem Sieg. Andersen nahm aus Zufall am Abendrennen teil: „Ich besuchte mit meiner Familie meinen in Zürich lebenden Bruder. Er machte mich auf die Brugger Abendrennen aufmerksam. Ich wollte mir diese Renngelegenheit nicht entgehen lassen.“ Andersen beschränkte sich nicht aufs Mitfahren, sondern gehörte auch zu den Animatoren der zehnten Prüfung der 40. Saison. In der Anfangsphase wagte er zusammen mit dem zweifachen Sieger Ruedi Keller einen Vorstoss. Als die beiden Spitzenfahrer wieder gestellt waren, behielt Andersen die Uebersicht. Er gewann die letzte Wertung und konnte damit Keller, der nach Punkten lange in Front lag, so noch abfangen.
Bei den Brugger Abendrennen sind Siege von ausländischen Fahrern zwar die Ausnahme, jedoch keine Seltenheit. Zum Erfolg kommen meistens Ausländer, die während der ganzen Saison in der Schweiz fahren. Vor einem Jahrzehnt waren Siege von Fahrern aus Neuseeland, die während der Saison in der Schweiz weilten, fast an der Tagesordnung. Im Moment sorgt die Japaner-Fraktion für den internationalen Anstrich der Brugger Abendrennen. Hashimoto, Hosokawa & Co. gelang bisher allerdings noch kein Sieg. Mit Denis Jablonski aus der Ukraine gewann letztmals in der Saison 2001 in Brugg ein Ausländer. Jablonski war damals  wie jetzt Andersen auf der Durchreise gewesen. Auch für Andersen wird es zumindest diese Saison keinen zweiten Start beim Brugger Abendrennen geben: „Ich wäre gerne nochmals gefahren. Dorthin wo man Erfolg hatte, kehrt man ja gerne wieder zurück. Aber meine Ferien sind zu Ende und am Wochenende gehe ich wieder zurück nach Dänemark.“ Der Sieger des Abendrennens dieser Woche ist mit einem Sieg auf Durchreise in  guter Gesellschaft. Auch der fünffache Tour de France-Sieger Bernard Hinault, der 1976 als Jung-Profi in Brugg gewann und damit als prominenteste Gewinner eines Brugger Abendrennen gilt, war damals auf der Durchreise in der Schweiz und holte sich im Vorbeigehen einen Sieg im Schachen. Einen Unterschied zwischen Andersen und Hinault gibt es gleichwohl: Während es vor 30 Jahren noch keine Siegprämie gab und die Rennfahrer sich noch vom olympischen Gedanken „Teilnahme vor dem Rang“ leiten liessen, durfte Andersen am Mittwoch für seinen in übersichtlicher Manier herausgefahrenen ersten Platz doch einen kleinen Geldzustupf, ein bisschen Feriengeld sozusagen, entgegennehmen.

Die Siege von ausländischen Fahrern beim Nachwuchs waren weniger spektakulär und kamen nicht unerwartet. Sie wurden nämlich von Fahrer aus dem südbadischen Raum herausgefahren. Die Nachwuchsfahrer aus Südbaden fahren regelmässig in Brugg und gehören inzwischen zu den Stammgästen. Das Rennen der Junioren und Anfänger wurde erstmals eine Beute von Marcel Weber vom RSV Badisch-Rheinfelden. Das Rennen der älteren Schüler wurde von Jonathan Schmid vom Velo-Bike-Club Waldshut gewonnen. Sven Jappert (Gansingen), der bei den jüngeren Schülern gewann, war nicht nur der einzige Schweizer Fahrer, der zum Erfolg kam. Er war vielmehr auch der einzige bisherige Sieger, der sich diese Woche ins Siegerbuch eintragen konnte. Jappert gewann zum siebtenmal und ist damit nach Anzahl Siegen der erfolgreichste Fahrer in der laufenden Saison.

Im Rahmen des Abendrennens dieser Woche erhielten auch die Behinderten-Radsportler eine Startgelegenheit. Das gut besetzte Rennen der Handbiker wurde in einem spannenden Zweierspurt entschieden.  Bruno Weber (Bazenheid) vermochte sich im Endkampf gegen Walter Eberle (Schaan FL) knapp durchzusetzen.

August Widmer

 
Ergebnisse 10. Brugger Abendrennen (26.07.06)

Elite, Amateure, U-23:
1.Mads Andersen (Dänemark)  43,2 km in 56:40 (45,741 km/h), 28 Punkte, 2. Ruedi Keller (Gippingen) 24, 3. Josef Soukup (Tschechien) 21, 4. Bernhard Oberholzer (Elgg) 19, 5. Simon Wyss (Bern) 17, 6. Stefan Felder (Steinhausen) 16, 7. Takeshi Hashimoto (Jap/Steinmaur) 11, 8. Tobias Eggli (Räterschen) 11, 9. Reto Killer (Brugg) 8, 10. Diego Schmid (Brugg) 7.

Junioren, Anfänger, Frauen:
1. Marcel Weber (De/1. Junior) 19,2 km in 26:32 (43,417 km/h), 22 Punkte, 2. Tino Eicher (Zürich/1. Anfänger) 20, 3. Peter Erdin (Gansingen) 19, 4. Rolf Rüegger (Full) 13,  5. Dominik Wink (Brugg) 8, 6. Luca Conrad (Ehrendingen) 7. 
Ferner: 13. Fabienne Sommer (Sulz/1. Frau) 2.

Schüler:
Jahrgänge 1992 und 93: 1. Jonathan Schmid (De) 9,6 km in 15:46 (36,533 km/h), 24 Punkte, 2. Lukas Müller (Steinmaur) 10, 3. Jasmine Cem (De) 8, 4. Nico Knab (De) 7, 5. Lukas Bucher (Holderbank) 5, 6. Tobias Kummle (De) 5.  5. Ferner: 10. Kim Schauff (Lengnau/1. Mädchen).

Jahrgänge 1994 und jünger: 1. Sven Jappert (Gansingen) 5,76 km in 9:34 (36,125 km/h), 11 Punkte, 2. Michael Schraner (Sulz) 9, 3. Adrian Schraner (Sulz) 5, 4. Lilo Höcker (De) 5, 5. Yannick Stutz (Sulz) 5, 6. Tanja Schmid (Sulz) 1. 

Handbike:
Männer: 1. Bruno Huber (Bazenheid), 2. Walter Eberle (Schaan FL), 3. Daniel Bögli (Bern). RB Brugg
Frauen: 1. Gabi Schild (Solothurn).